Im vergangenen Jahr feierte das Automobil seinen 125. Geburtstag. Zu Beginn dieses Jahres geht der Fernsehsender 3sat mit seiner dreiteiligen Dokumentationsreihe „AutoLegenden“ auf die Spurensuche der großen Pioniere des Automobils und hat den ersten Teil Gottlieb Daimler gewidmet.
Das Format „AutoLegenden“ widmet sich drei außergewöhnlichen Pionieren des Autobaus. Im ersten Teil der spannenden Dokumentationsreihe begibt sich Andreas Hoffmann-Daimler, der Urenkel Gottlieb Daimlers, auf Spurensuche nach seinem Urgroßvater und seiner eigenen Familiengeschichte.
Das Automobil und sein Schöpfer
Am 17. März 1834 wurde Gottlieb Daimler im schwäbischen Schorndorf geboren. Er hatte Glück – konnte eine Ausbildung zum Büchsenmacher abschließen und danach in Stuttgart Maschinenbau studieren, was ihm diverse Anstellungen, auch im Ausland, ermöglichte. 1863 lernte er in seiner damaligen Firma den jungen Wilhelm Maybach kennen. Beide gingen nach fünf Jahren zur Firma Deutz, die Nikolaus Otto, dem Erfinder des gleichnamigen Motors, gehörte. Während Otto mit seinem Motor schnellen Profit erwirtschaften wollte, wollte Daimler ihn noch weiterentwickeln. 1882 verließ Daimler gemeinsam mit Maybach die Firma und richtete sich mit der Abfindung auf seinem neuen Villengrundstück in einem Gewächshaus eine Werkstatt ein, wo beide im Geheimen an der Weiterentwicklung des Motors arbeiteten. Nach Jahren geduldiger Arbeit war der Motor, der mit Benzin angetrieben wurde, fertig und sie montierten ihn in ein Fahrradgestell und konstruierten somit das erste Motorrad, wofür Gottlieb Daimler 1885 das Patent erhielt. Doch er wollte noch mehr schaffen und machte sich mit Maybach an die Konstruktion einer „Motorkutsche“. Währenddessen war in Mannheim auch Carl Benz mit der Fertigung eines Fahrzeugs beschäftigt, er baute Gefährt und Motor als Einheit und meldete 1886 seinen Motorwagen zum Patent an. Auf Stuttgarts Straßen hingegen fuhr der erste Daimler und ließ die Passanten erstarren oder, erschrocken über das „Teufelswerk“, in den Straßengraben flüchten. Noch interessierte sich niemand weiter für das Automobil, was sich erst änderte, als Benz‘ Ehefrau eine kleine ‘Reise‘ damit unternahm und somit die Alltagstauglichkeit unter Beweis stellte. Daimlers Stahlradwagen löste schließlich auf der Weltausstellung eine wahre Autoeuphorie aus.
Eine Vision verändert die Welt
Daimlers Erfolg wuchs stetig und damit auch seine berufliche Auslastung. 1890 gründete er mit Max Duttenhofer und Wilhelm Lorenz die Daimler Motoren-Gesellschaft. Die Partner übergingen ihn, indem sie ihn bei wichtigen Geschäftsentscheidungen überstimmten. Daimler wurde aus der Firma gedrängt und steckte sein Geld in ein Entwicklungszentrum, kehrte aber später zusammen mit Maybach, auf Wunsch eines englischen Investors, in die Firma zurück. Dort entstanden in den nächsten Jahren immer mehr Fahrzeuge verschiedenster Art und auch Luftschiffe. 1899 erlitt Gottlieb Daimler einen Herzinfarkt und starb schließlich im März 1900. Seine beiden Gesellschafter setzten seine zweite Ehefrau und Witwe dermaßen unter Druck, dass sie schließlich auf alle Geschäftsanteile verzichtete. Deshalb hat die Familie bis heute keine Teilhabe mehr am Konzern. Maybach baute nach Daimlers Tod den ersten Mercedes. 1926 kam es zur Fusion der Firmen Daimler und Benz.
Heute wird in der Forschungsabteilung der Daimler AG das Auto der Zukunft geschaffen. Jedes Jahr wird ein Forschungsfahrzeug gebaut, ein millionenschweres Einzelstück, mit dem die neuesten technischen Raffinessen erprobt werden. Zurzeit beschäftigt sich die Abteilung damit, schadstoffarme Brennstoffzellen zu entwickeln, die auch sehr kalter Witterung standhalten. In (ferner) Zukunft könnte also Gottlieb Daimlers Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell werden.
